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Der Hintergrund

Zeitung "Die Rheinpfalz" Nr. 158 S. 2 vom 12.07.1999

Die dunkle Seite der Globalisierung

UN-Bericht: Vom „freien Welthandel“ profitieren die Industrieländer

Die Globalisierung der Wirtschaft hat die Kluft zwischen Arm und Reich seit Anfang der 90er Jahre weltweit dramatisch vergrößert. Zu diesem Ergebnis kommt das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) in seinem „Bericht über die menschliche Entwicklung 1999“.

Den Autoren der Studie zufolge hat der durch die Globalisierung entstandene Druck auf die Unternehmen vielfach auch zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen geführt.  Laut UNDP-Bericht verfügen die drei reichsten Menschen der Welt inzwischen über ein Vermögen, das größer ist, als das Bruttoinlandsprodukt der 50 ärmsten Länder der Erde.

In diesen 50 Ländern leben 600 Millionen Menschen – und somit ein Zehntel der gesamten Weltbevölkerung. Das US-Magazin „Forbes“ schätz allein das Vermögen von Microsoft-Mogul Bill Gates, dem reichsten Mann der Welt, auf 90 Milliarden Dollar (170 Milliarden Mark).

Damit die Globalisierung ein menschlicheres Gesicht erhält, dürfen Regierungen und internationale Organisationen nach Einschätzung der unabhängigen UNDP-Experten nicht länger nur passive Beobachter der Expansionen und Fusionen von Großunternehmen sein.

Im Bereich Telekommunikation teilten sich mittlerweile zehn Unternehmen 86 Prozent des Marktes. Ähnlich sei die Situation bei den Herstellern von Pestiziden und Computern. Die Industrieländer seien im Besitz von 97 Prozent aller Patente weltweit.

Auch die trotz Wirtschaftswachstums seit Jahren bei etwa elf Prozent stagnierende Arbeitslosenquote in Europa ist nach Ansicht der UNDP-Forscher ein Beweis für die negativen Folgen der Globalisierung. Diese befriedige nicht die Bedürfnisse aller Menschen, sondern nur die der zahlungskräftigsten Konsumenten.

Der freie Welthandel sei ebenfalls in vielfacher Hinsicht eine Einbahnstraße, bilanzierte die UNDP. So machten etwa US-Filme 70 Prozent des europäischen und 83 Prozent des lateinamerikanischen Marktes aus. In US-Kinos liege der Anteil ausländischer Produktionen dagegen nur bei drei Prozent.

Auch beim Internet, dem wichtigsten neuen Kommunikationsmittel des Globalisierungs-Zeitalters, sei die Diskrepanz groß. In den USA nutzen inzwischen 26,3 Prozent der Bevölkerung das Internet. In Südostasien haben dagegen nicht einmal ein Prozent der Menschen einen Internet-Zugang. (dpa)

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